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Sehenswürdigkeiten - Ein Stadtrundgang

Ein Besuch in Friedrichstadt lohnt sich immer, aber gerade im Sommer ist es ein besonderes Erlebnis, denn dann blühen und ranken die Rosen vor vielen Häusern. „Rosenstadt“ wird die Holländerstadt dann auch genannt.

Entdecken Sie Friedrichstadt entweder im Rahmen einer geführten Stadtbesichtigung mit einem unserer zertifizierten Gästeführer oder erkunden Sie die Stadt auf eigene Faust. Der kleine Stadtrundgang gibt Ihnen einen Überblick über einen Teil der Sehenswürdigkeiten, die Sie in Friedrichstadt erwarten.
Marktplatz

(1) Marktplatz

Der Rundgang beginnt am Marktplatz, dem Zentrum der "Holländerstadt". Hier finden Sie das Rathaus, die Treppengiebelhäuser, die Steinbrücke und vor den Linden des »Grünen Marktes« die Marktpumpe mit dem gotikähnlichen Brunnenhäuschen. Es wurde 1879 von dem Architekten Heinrich Rohardt errichtet und der Stadt zum Geschenk gemacht. Auf der Stirnseite des Brunnenhäuschens befinden sich vier Versinschriften, die von Klaus Groth in plattdeutscher Sprache speziell über das Wasser gedichtet wurden. An zwei Seiten des Grünen Marktes, auf dem im Frühling die Krokusse und Märzenbecher in großer Anzahl blühen, sieht man noch die dicken, geländerartigen Eisenstangen, an denen einst während der Pferde- und Viehmärkte die Tiere festgebunden wurden.

Die Westseite des Marktes bildet mit neun Treppengiebelhäusern (Nummer 16-24) eine einzige, im Wesentlichen geschlossene Front holländischer Kaufmannshäuser aus der Gründungszeit. Diese Häuserzeile ist ein charaktervolles Beispiel stadtbildprägender Baukunst. Herausstechend sind die in den Giebeln angebrachten Hausmarken: Seerose, Adler, Sternenhimmel, Mühle usw. Diese Hausmarken findet man im gesamten Altstadtkern an verschiedenen Häusern wieder.

(2) Das Neberhaus

Über die Steinbrücke des Mittelburggrabens gelangt man zum Neberhaus (Am Mittelburgwall Nr. 24). Das Gebäude mit der wohl wertvollsten Innenarchitektur galt als Musterbeispiel der holländischen Wohnkultur (gebaut zwischen 1621 und 1630). Besonderes Kennzeichen ist die typisch vorgeneigte Fassade. Als Baumaterial verwendete man holländische Moppen, kleine rote Backsteine. Der prachtvollste Raum ist die Regentenkammer, oder das Friedrichstädter Zimmer. Über die Hälfte der alten Vertäfelung wurde in das Flensburger Museum gebracht und dort wieder aufgebaut. Heute sind noch 2/5 der Vertäfelung im Regentenzimmer des Neberhauses erhalten. Im Obergeschoß befindet sich der Bovenzaal, d. h. Oberer Saal, mit einem Alkoven (Wandbett). Hier wohnte für einige Monate, während der französischen Revolution 1789, der Herzog von Orleans. Er lebte hier als Emigrant unter dem Decknamen De Vries und bestieg 1830 als Bürgerkönig Louis Philippe den französischen Thron. Er betätigte sich hier als Hauslehrer.

(3) Das Grafenhaus

Vom Mittelburgwall gelangt man über die "Lütje Brüch" zum 1622 erbauten Grafenhaus. Im April 1945 erlitt das Haus einen Bombenschaden.

Der Nordgiebel des Hauses wurde 1961 restauriert. Es ist ein lang gestrecktes Traufenhaus mit hohem Unter- und niedrigem Obergeschoß von neun Achsen. Durch seine Ecklage und Baugestalt trägt es wesentlich zur Veranschaulichung des ursprünglichen Stadtbildes bei.

Geradeaus weiter schließt sich die Lohgerberstraße an. Diese wurde 1985 nach dem Vorbild des ALTEN FRIEDRICHSTADTS neu gestaltet. Sauber verlegtes Kopfsteinpflaster, die alten Friedrichstädter Laternen und die mit roten Klinkern belegten Gehsteige lassen die Vergangenheit wieder erwachen.
(4) Die Remonstrantenkirche

(4) Die Remonstrantenkirche

Zwischen Kirchen- und Prinzeßstraße steht die Remonstrantenkirche, die einzige Kirche dieser Glaubensgemeinschaft außerhalb der Niederlande. Die heutige Kirche ist der Nachfolgebau der 1850 zerstörten, fast quadratischen Saalkirche, zu der 1624 Catharina van Moersbergen, die Tochter des Statthalters, den Grundstein gelegt hatte. Der Neubau wurde in den Jahren 1852 bis 1854 nach Entwürfen von Pastor Mensinga und F. Holm errichtet.

Nach remonstrantischem Ritus fehlt ein Altar, so dass der Blick sofort auf die in der Mitte der Stirnwand liegende Kanzel fällt. Da jeglicher Schmuck sowie Bilder fehlen, ist das Innere der Kirche sehr schlicht. Der Turm weist schon von weit her den Besuchern den Weg. Die Bruderschaft der Remonstranten wurde 1619 in Antwerpen gegründet. Ihre Anhänger widersprachen der Prädestinationslehre, die im kalvinistischen Glauben eine wichtige Rolle spielt und nach der das Schicksal eines jeden Menschen schon vor der Geburt vorherbestimmt ist. Der Name Remonstranten geht auf eine Streit- und Bekenntnisschrift aus dem Jahre 1610 zurück. Es war der Theologe Jakob Arminius (1560-1609), der sich für die Remonstranten einsetzte. Bis zum heutigen Tage ist daher auch der Name „Arminianer“ im Ausland bekannter als „Remonstranten“.

Schräg gegenüber der Remonstrantenkirche liegt das kleine „KETTERERHAUS“ (Prinzeßstraße Nr. 26). Das Haus mit der sattroten Fassade stammt aus der Gründungszeit der Stadt und wurde 1626 bis 1629 erbaut. Der Name Ketterer stammt von der gleichnamigen Uhrmacherfamilie aus dem Schwarzwald, die das Haus von 1824 bis 1924 bewohnte. Das remonstrantische Pastorenehepaar Laman Trip ließ das Haus 1978 bis 1981 mit Hilfe eines niederländischen Architekten restaurieren. Bemerkenswert ist der von der Straße einzusehende Raum, der mit einem Alkoven und Puppen in Kostümen der in Friedrichstadt einst und heute ansässigen Glaubensgemeinschaften ausgestattet ist.
(5) Das Paludanushaus

(5) Das Paludanushaus

Von hier aus gelangt man durch die Kirchenstraße zur Prinzenstraße und geht direkt auf das Paludanushaus zu. Das eindrucksvolle, schneeweiße Eckhaus (Prinzenstraße Nr. 28) wurde 1637 für den Händler Godefridus Paludanus errichtet. Ursprünglich hatte das Gebäude zwei Giebel, die bereits 1840 abgebrochen und durch den stattlichen Treppengiebel ersetzt wurden. Die Hausmarke zeigt Weinkübel und Traube. Der Legende nach war Paludanus als Weinhändler tätig. Gleichzeitig war er Prediger der Remonstrantengemeinde. Den Eingang ziert eine prachtvoll geschnitzte Tür im Rokoko-Stil. Im Innern sind noch die Diele, der Mittelflur, drei alte Treppen sowie zwei Barock- und eine Rokoko-Tür erhalten. Seit 1962 gehört das Haus der dänischen Minderheit.
(6) Das Doppelgiebelhaus

(6) Das Doppelgiebelhaus

Schräg gegenüber liegt das 1624 erbaute Doppelgiebelhaus. Durch die Ecklage kommt dem historischen Gebäude eine besondere städtebauliche Bedeutung als Abschluss des Schachbrettfeldes zu. Das Gebäude ist in seiner Lage zur Kirchenstraße als bemerkenswertes Zeugnis der ursprünglichen Stadtplanung hervorzuheben. Seine beiden zweigeschossigen, holländisch geprägten Treppengiebel zeigen zur Prinzenstraße. Die Traufseite und der später erstellte angrenzende Seitenflügel bestimmen den Einmündungsbereich der Kirchenstraße. Das Baujahr ist im Giebelbereich durch Mauerwerkzahlenanker belegt. Das Haus erlangte bei einem ausgeschriebenen städtebaulichen Wettbewerb den 2. Platz und wurde 1986 mit der Europa-Nostra-Medaille in Silber ausgezeichnet.
(7) Die kath. Kirche

(7) Die kath. Kirche "St. Knud"

Neben dem Haus Nr. 17 steht die Katholische Kirche St. Knud. Dieses turmlose Gotteshaus wurde im Juni 1854 eingeweiht. Ein erst wenige Jahre zuvor errichteter Vorgängerbau war wegen baulicher Mängel abgerissen worden. Katholiken erhielten 1625 das Niederlassungsrecht in Friedrichstadt. Herzog Friedrich hatte dafür vor allem wirtschaftliche Gründe, da er mit dem katholischen Spanien Handel treiben wollte. Der Kirchenraum ist mit geschnitzten Figuren aus der Barockzeit ausgestattet, die Christus, König Knuth IV und sechs Apostel darstellen. Sie sollen aus der Anfang des 19. Jahrhunderts abgebrochenen Husumer Marienkirche stammen. Das mittelalterliche Kruzifix stammt aus einer bei einer Sturmflut zerstörten Eiderstedter Kirche.

Am Fürstenburgwall/Ecke Binnenhafen, legte am 24. September 1621 Willem van den Hove den Grundstein für das erste Haus der Stadt. Eine Gedenktafel mit dem Spruch "Haltet Stand in der Freiheit" erinnert daran.

(8) Das "Schwarze Ross"

Die zweite Querstraße, die vom Binnenhafen abzweigt, ist die Westerhafenstraße. Beim Einbiegen fällt das Haus Nr. 4 auf, ein ehemaliger, nach 1700 erbauter Speicher mit herausragendem Aufzugsbalken, das "Schwarze Ross" genannt. Das Versammlungshaus der Quäker befand sich in der Westerhafenstraße Nr. 14.
(9) Die ehemalige jüdische Synagoge

(9) Die ehemalige jüdische Synagoge

Das Eckhaus Am Binnenhafen/Westermarktstraße ist die Ehemalige Synagoge von Friedrichstadt. Seit 2002 wird das Gebäude als „Kultur- und Gedenkstätte“ für verschiedene Veranstaltungen genutzt. Eine Ausstellung erinnert an das Schicksal der hier einst lebenden Juden, von denen kaum einer den Holocaust überlebt hat.
(10) Die

(10) Die "Alte Münze"

Weiter nördlich gelangt man zum Mittelburgwall. Zur rechten Seite erblickt man ein Gebäude mit einer auffallend vorgeneigten, hohen Giebelwand, die Alte Münze. Dieses in Norddeutschland wertvollste Bauwerk der niederländischen Renaissance ist original erhalten und wurde 1626 errichtet. Die Frontfassade fällt besonders durch die bleiverglasten Fenster und die große Ladetür auf. Dieser bedeutende Bau, der das Wappen des ersten Statthalters Adolph van Wael van Moersbergen trägt, ist niemals als Münzprägewerkstätte benutzt worden, sondern diente dem Statthalter als Amtssitz.
(11) Der Betsaal der Mennoniten

(11) Der Betsaal der Mennoniten

Wer nun aber durch die bescheidene Pforte den kleinen Vorhof betritt, steht dann vor dem Betsaal der Mennoniten mit dem dahinter liegenden Mennonitenhof. Die Mennoniten sind eine evangelische Glaubensgemeinschaft, gegründet von dem Friesen Menno Simons (1492-1559). Im Gegensatz zu den anderen Glaubensgemeinschaften werden hier nur Erwachsene getauft. Sie lehnen den Eid und jegliche Gewaltanwendung (z.B. den Waffendienst) ab, legen aber großen Wert auf praktische Wohltätigkeit. Das Kircheninnere ist ein schlichter, beinahe kahl zu nennender Raum mit Holzbalkendecke, der räumlich sehr gedrungen wirkt. Die Kirche wird gemeinsam mit der dänischen Gemeinde benutzt.
(12) Die ev. luth. Kirche St. Christophorus

(12) Die ev. luth. Kirche St. Christophorus

Genau gegenüber am Mittelburgwall erblickt man die Ev.-Luth. Kirche mit Namen St. Christophorus. Der Bau wurde 1649 vollendet, die Wände des Saalbaues sind, wie viele Häuser in der Stadt, aus holländischen Moppen gefertigt, aus Sandstein die Fensterumrahmung sowie das Portal und die Mauerecken. Der Turm in seiner jetzigen Form besteht seit 1762 und ist größtenteils aus Granitsteinen von einer abgebrochenen Schleuse errichtet. Die älteste der drei Glocken (Ton "e"), 1624 gegossen, stammt aus einer bei der Sturmflut 1634 untergegangenen Kirchen von Alt-Nordstrand. Bedeutendstes Kunstwerk ist das Altarbild Die Beweinung Christi, das 1675 der berühmte Maler Jürgen Ovens der Kirche geschenkt hat.

Der barocke Rahmen ist ebenfalls eine Stiftung Ovens. Das Gemälde zeigt den Einfluß Rembrandts und van Dycks auf das Schaffen des Künstlers. Es stellt den Leichnam Christi nach der Kreuzabnahme, auf einer mit Stoffen belegten Steinbank ruhend dar. Links oben im Gemälde, bescheiden im Dunkeln, sieht man den Künstler selbst mit gefalteten Händen. Jürgen Ovens wurde 1623 in Tönning geboren, war von 1632 bis 1657 und seit 1663 in Friedrichstadt ansässig. Er bewohnte ein Herrenhaus am Fürstenburgwall. Jürgen Ovens starb 1678 in Friedrichstadt und wurde unter dem Altar der ev.-luth. Kirche beigesetzt.

(13) Der alte jüdische Friedhof

Über die Westerlilienstraße / Am Binnenhafen entlang, Richtung Treene, gelangt man zum alten Jüdischer Friedhof, der 1677 von der jüdischen Gemeinde erworben wurde. Einige Stümpfe alter Grabsteine sind dort, um eine Gedenktafel gruppiert, noch zu sehen. Der Friedhof ist für den Besucher nicht zugänglich. An der westlichen Seite wurde von der Stadt Friedrichstadt eine Tafel zur Erinnerung an die in Friedrichstadt lebenden Juden aufgestellt. Der neue jüdische Friedhof befindet sich an der Schleswiger Straße neben dem evangelischen Friedhof.

(14) Das Remonstrantenhaus

Weiter entlang am Treeneufer und über die Brücke am Ostersielzug, gelangt man nach Süden zum Remonstrantenhaus, der vorletzten Station des Rundganges. Denn von hier sind es nur wenige Schritte zum Ausgangspunkt zurück. Das Remonstrantenhaus wurde 1909 erbaut und diente ursprünglich als Gemeindehaus den remonstrantischen Pastoren; gleichzeitig wurde es auch als Wohn- und Arbeitsstätte genutzt. Das Gebäude ist seiner Anlage nach ein freistehendes Herrenhaus mit verzierten Treppengiebeln. Heute ist das Haus im Privatbesitz und wird als Klinik genutzt.


(15) Das Fünf-Giebel-Haus

(15) Das Fünf-Giebel-Haus

Geht man die Prinzenstraße Richtung Süden weiter, so gelangt man zum Fürstenburgwall. Hier liegt das Fünf-Giebel-Haus (Am Fürstenburgwall 11). Einst schmückten fünf Treppengiebel dieses stattliche Gebäude. Durch zahlreiche Umbauten wurde seine Gestalt jedoch vollständig verändert. Im östlichen Gebäudeteil befindet sich heute eine Galerie.
Wir haben nun unseren kleinen Rundgang durch die Geschichte und Gegenwart Friedrichstadts beendet und hoffen, Sie bald persönlich in der Holländerstadt begrüßen zu dürfen!